Nordostwetter.de - Gewitterinfos

Bei einem Gewitter handelt es sich um ein sogenanntes "konvektives" Ereignis, sprich,
ein Ergebnis von "labiler" Luftschichtung.
Das Hauptmerkmal von Gewittern sind elektrische Entlandungen innerhalb der
Wolke, gelegentlich auch außerhalb des Gewölks, bekannt als =>Blitz, hörbar als =>Donner.
Im Sommerhalbjahr treten Gewitter weit häufiger auf als im Winterhalbjahr.
Die lateinische Bezeichnung für Gewitterwolken lautet =>Cumulonimbus, welche sich
dann noch in Unterarten aufteilt.
Das Auftreten von Gewittern ist weltweit gesehen täglich nahezu in der Anzahl ähnlich,
sie liegt bei etwa 1.600, bei uns in Deutschland sind Vorkommensmaximen von
Gewittern insbesondere in der West-/ Südhälfte von Deutschland vorzufinden.
Ein durchschnittliches Gewitterjahr in München bringt der bayrischen Landeshauptstadt
in etwa 33-35 Gewittertage hervor, Berlin schließt in etwa mit einem Durchschnitt von 18 ab.

Von den Gewittertypen werden hauptsächlich Front- und =>Luftmassengewitter unterschieden,
während =>Frontgewitter vor allem bei sommerlichen Kaltfronten vorkommen,
und meist hochsommerliche Wetterlagen unterbrechen/ beenden, sind Luftmassengewitter
als =>Wärmegewitter bekannt, aber auch eingelagerte Gewitter in Niederschlagsgebieten,
und auch Gewitterproduktionen aus "Höhenkaltluft" sind typisch.

sommerliche Gewitterfront ( aufgenommen am 17.07.2009 )


Entstehung von Gewittern

Für die Entstehung von Gewittern überhaupt, sind zunächst erst einmal "Zutaten" notwendig.
Sie bestehen aus:
=>Feuchtigkeit in Bodennähe
=>atmosphärische Instabilität ( überdurchschnittliche Temperaturabnahme mit der Höhe )
=>Hebungsvorgänge, die zur Auslösung benötigt werden

Zunächst steigt eine typische "Warmluftblase" auf, die mit zunehmender Höhe abkühlt,
und schließlich mit Erreichen des Taupunkts kondensiert, dies kennt man oft aus
sommerlicher Schönwetterbewölkung =>Cumulus humulis, mediocris.
Bei sommerlichen Hochdrucklagen enden solche Schönwetterwolken dann aber auch,
(Hobby-) Meteorologen sprechen vom "Deckel", dies bezeichnet eine Absinkinversion,
eine unsichtbare Sperrschicht in der unteren Atmosphäre.
Durch nun aber weiteren Aufstieg feuchter Luftmassen wird immer weiter
kondensierter Wasserdampf angereichert, die Wolke kann sich immer weiter anreichern
und aufsteigen, reicht nun die Labilitätsenergie aus, steigen die kleineren Quellwolken zunächst
auf massive, noch scharfkantige Wolkentürme auf, dies sind ebenfalls noch Cumuli, nun aber
mit dem Zusatz =>congestus!
Nun geht das Gewitter in das Jugendstaduim über und bald in die Reifestufe, die Oberseite
einer typischen Einzelzelle vereist, daß heißt, Eiskristalle sind deutlich mehr vorhanden
als unterkühlte Wassertröpfchen bzw. nur noch Eiskristalle, und die Obergrenze verliert
die scharfen Konturen, ost fließt diese nach allen Seiten auseinander, optisch bekommt
man so oft einen "Amboß" zu sehen.

Cumulus congestus

Gewitterzelle mit beginnendem Amboß ( aufgenommen am 01.06.2009 )

Luftmassengewitter können quasi überall auftreten, weltweit gesehen ist die Antarktis die
einzige Gegend, in der es zu keiner Gewittertätigkeit kommt.
Wintergewitter gehen oft mit heftigem Schneefall oder auch Graupelschauern einher,
sind aber eher selten anzutreffen, da labile Energie im Winterhalbjahr deutlich weniger
vorhanden ist, als im Sommerhalbjahr.
Sommergewitter, gleich Luftmassen-oder Frontgewitter gehen oft mit kräftigen
Regenschauern einher, auch genannt als =>Starkregen oder =>Platzregen, also
hohe Niederschlagsrate innerhalb kurzer Zeit, oft gibt es in Gewittern aber auch
=>Hagelschlag unterschiedlicher Größe, dies ist davon abhängig, wie warm es unterhalb
der Gewitterwolke ist und wie groß das ausgefallene Ursprungshagelhorn im Einzeln war.
Bei sommerlichen Kaltfronten treten oft vor der eigentlich KF Gewitter auf, diese sind
ebenfalls oft linienartig angeordnet, man spricht auch von einer =>organisiertenGewitterbildung,
Meteorologen sprechen von =>präfrontalen Konvergenzen.



Blitz, Donner

Innerhalb von Gewitterwolken finden mehr und weniger heftige Auf- und Abwinde statt.
Das Aneinandereiben von Eisteilchen innerhalb des Gewölks baut eine elektrische Spannung
nach und nach auf, bis eine Entladung stattfindet, den Entladungskanal bekommt der
Beobachter als sichtbaren Blitz zu Gesicht.
Die dabei explosionsartig auf mehrere 10.000°C erhitzte und ausgedehnte Luft erzeugt so
den lauten Knall, der als Donner zu hören ist.
Als kleine Faustregel gilt, und so kann man in etwa die Entfernung zu einer
Blitzentladung ausmachen, daß die Schallgeschwindigkeit ~3 Sekunden benötigt, um
einen Kilometer zurückzulegen, beispielsweise also blitzt es und folgt der Donner 6
Sekunden später, erfolgte diese Entlandung etwa in 2 Kilometern Entfernung, unterschreitet
die Dauer zwischen Blitz und Donner diese Zeit, ist auf alle Fälle Vorsicht geboten!!!
Denn Blitzentladungen finden nicht nur innerhalb der Wolke statt, es gibt auch Wolke-Erde-Entladungen.


Wolkenblitz

Erdblitz


Auftreten von Gewittern


Das Auftreten von Gewittern verläuft nicht stets so, wie weiter oben beschrieben, also mit
dem typischen Erscheinungsbild eines Ambosses!
Begleiterscheinungen wie Altocululusfelder, Wolkenfetzen ( =>Fractus ), Böenfronten
oder Mammaten sind oft Nebenprodukte von Gewittern.
=>Shelfclouds und =>Böenfronten entstehen oft bei stärkeren Frontgewittern, welche
oft linienhaft angeordnet sind, bei besonders starken Gewitterfronten spricht man auch
von sogenanntan =>Squallines, häufig an Konvergenzen zu finden.
Oft gibt es auch in starker Altocumulusbewölkung einzelne Gewitterzellen zu beobachten,
generell ziehen Gewitter oft einzeln isoliert daher, oft verbinden sich auch Gewitterzellen,
ohne gleich Frontcharakter anzunehmen, hier wird von einer so genannten =>Verclusterung gesprochen.

einzelne, isolierte Gewitterzelle

Gewitter mit überquerender Böenfront


Superzellen und Unwetter


Erreichen Gewitterwolken ungewöhnliche Höhen und/ oder Langlebigkeiten sowie
höhere Intensitäten, können sie schnell unwetterartige Ausmaße annehmen.
Selbst ein normales Sommergewitter kann lokal schnell zu Überschwemmungen führen,
ist zum Beispiel dessen Zuggeschwindigkeit gering, oder es fällt extrem starker Regen.
Beispiele liefern hier Unwetterereignisse am 26.07.2008 in Dortmund mit bis zu
200l / qm oder am 04.07. in Frankfurt/ Oder!
Unwettercharakteristiken werden von Gewittern am häufigsten durch starken
Hagelschlag, durch dichten Platzregen oder auch durch orkanartige Böen hervorgerufen.
Fällt beispielsweise dichter Niederschlag innerhalb eines Gewitters, so kann ein derart
heftiger Fallwind dadurch entstehen, daß Orkanböen zu Gewitterbeginn auftreten,
dieses Szenario wird als =>Downburst bezeichnet!
In schweren Gewittern kann man durchaus machmal erahnen, daß ein
Hagelunwetter unmittelbar bevorsteht, grünliche oder gelblich-bräunliche Färbungen weisen
oft auf dichte Hagelkerne innerhalb von Gewittern hin, Hagelkörner können Durchmesser
 von bis zu 10 Zentimetern erreichen, im Extremfall sogar noch mehr.
Aber auch kleinerkörniger Hagel vermag in sehr dichtem Fall verheerende Schäden anzurichten.
Die verheerenste "Waffe" des Gewitters mag aber der =>Tornado sein.

Tornados kommen fast ausschließlich in extrem stark organisierten Gewittern vor,
den sogenanntan =>Superzellen!
Superzellen sind also sehr stark ausgeprägte Gewitterwolken, die sich vor allem durch
eine höhere Intensität und eine weitaus höhere Lebensdauer zu kennen geben.
Oft beobachtet man bei Superzellen eine zusätzliche Ausbauchung oberhalb des
Eisschirmes, dies wird als =>Overshooting Top bezeichnet.
Weitere Kennzeichen von Superzellen sind rotierende Wolkenbasen =>Wallclouds und
sehr massive Aufwindtürme.
Die meisten Tornados treten in der sogenanntan "Tornado Alley" zu deutsch >Tornadoallee, auf.
Im Frühjahr prallen trockenkalte Winde von den westlichen Rocky Mountains
auf feuchtwarme Luftmassen aus dem Mexikogolf über dem mittleren Westen der
USA zusammen und schaffen gigantische Gewitterzellen und Systeme, die dort
jährlich mehrere hundert "Twister" verursachen.
In Deuschland sind solche Extreme seltener anzutreffen, haben aber auch oft
schon Verheerendes geleistet, sei der 26.03.2006 in Hamburg mal als Beispiel zu erwähnen.

Die Erkennung solcher Gewitterzellen beziehungsweise die Vorhersage von Gewittern
ist generell als schwierig einzustufen, allerdings gibt es in Deutschland rennomierte Dienste,
die auf Extremwetterlagen wie auch Schwergewitter entsprechende Warnungen
herausgeben und von jedem normalen Internetbenutzer kostenfrei abrufbar sind.

==>>http://www.unwetterzentrale.de

==>>http://www.dwd.de/warnungen

späteres starkes Gewitter über Berlin mit Böenfront (17.07.2009)

"Rightmover-Superzelle, die in diesem Beispiel Hagel brachte:

Unwetterrisiken in Deutschland gibt es gewittertechnisch betrachtet eine Mehrzahl nach
West-und Süddeutschland hin.
Der Berliner Raum ist, was Unwetter in Form von Schwergewittern betrifft, weitaus verschonter,
 das letzte schwere Unwetter datiert vom 10.07.2002, als durch Orkanböen etliche
Bäume abbrachen und entwurzelt wurden, und zudem 7 Menschen getötet wurden.



Superzellentypen

Superzellen unterscheiden sich in 3 Typen:

=>LP-Superzelle: kleiner Niederschlagskern, eher seltener Tornados

=>Klassische Superzelle: größerer NS-Kern, häufiger Tornados, ausgeprägte Aufwindrotation, Wallclouds

=>HP-Superzelle: großes Niederschlagsfeld, oft darin versteckte Tornados

folgende Abbildung: Superzelle - Quelle: wikipedia.org

Das Auftreten von Superzellen im Berliner Raum ist sehr selten, die Unwetterfront im
Jahre 2002 dürfte Gewitterzellen mit dieser Definition enthalten haben.
Das hier auftretende Unwetter war ein sogenannter "Derecho", eine
Orkanfront, die sich hunderte Kilometer lang erstrecken kann, solche
Derechos sind insbesondere an sommerlichen Kaltfronten bzw. Konvergenzen gebunden.


Tornado-Fujita-Skala

Je nach Stärke des Tornados gibt es eine Liste, die Tornados im Einzelnen nach Windstärke und Schadensmodell einstuft.
Sie geht von F0 (schwcher Tornado) bis hin zu F5 (verheerend).

F0 (64-116 km/h): Ast-und Kronenschäden an Bäumen durch Ausbruch, Plakatwände werden abgerissen, kaum Schäden an Gemäuern (leicht)

F1 (117-180 km/h): schwere Bruchschäden an Bäumen, teilweise komplette Kronenausbrüche und kleinere Bäume werden komplett entwurzelt, Wohnwagen werden umgeworfen, Dächer teilweise oder ganz abgedeckt (großräumige Schäden)

F2 (181-253 km/h): große Bäume werden entwurzelt, teils verfrachtet, kleinere Gegenstände werden zu Geschossen, PKW's werden aus Fahrspuren gerissen, Wohnmobile komplett zerstört (schwere Schäden)

F3 (254-332 km/h): Dächer werden komplett abgedeckt und abgehoben, Waldstriche komplett entwurzelt, Züge entgleisen, PKWs werden verfrachtet, LKW's verschoben (sehr schwere Schäden)

F4 (333-418 km/h): Bäume werden entrindet, PKW's davongetragen, leichtere Holzhäuser total zerstört, schwere Gegenstände werden zu Geschossen, Strom-/ Oberleitungen komplett abgerissen (katastrophal, massive Zerstörung)

F5 (419-512 km/h): Asphaltstraßen können aufgerissen werden, LKWs werden verfrachtet, massive Holzhäuser werden aus Fundament gerissen und zerlegt, verbreitet schwere Verwüstung (verheerend, totale Zerstörung)


Verhalten bei Gewitter

Befindet man sich im Freien, so ist es absolut unratsam, unter einen Baum bzw.
unter Baumbeständen Schutz zu suchen, da hier die Gefahr eines Blitzeinschlages besteht.
Die sicherste Variante ist es, in die Hocke zu gehen.

Daheim wird geraten, elektrische Gegenstände sowie Telefone vom Netz zu trennen.

Im Auto sollte der "Faraydische Käfig" ausreichend Schutz bieten, da die Metallkarosserie
wie eine Erdung wirkt, eine 100-prozentige Sicherheit ist aber auch hier nicht gegeben!

Beobachtet man Gewitter gerne, bzw. fotografiert man solche usw., sollte man sich vom
Freien wegbegeben, wenn Blitz/Donner-Abstände 6, besser 9 Sekunden unterschreiten,
da das Gewitterzentrum dann zu gefährlich nahe rückt, und man einen Blitzschlag riskiert.


Empfehlungen

=>Blitzfotografie - Tipps dazu gibt es HIER