Gewittervorschau für Sonntag, den 11.09.2011
Ausgangslage:
Ein Tiefdruckgebiet bei den Britischen Inseln lenkt auf seiner Vorderseite warme, aber
feuchte Luft nach Mitteleuropa, bevor dessen Kaltfront, welche sich eher langsam
über Deutschland hinwegbewegt, eine deutlich kühlere Luftmasse heranführt.
Durch die gleichzeitige Trogverlagerung in der Höhe wird die Bodenfront verstärkt,
was eine für September selten dagewesenes Setup bereithält, unter Anderem mit
hoher Dynamik zu Werke geht, was für eine verstärkte Konvektionsneigung spricht.
Dabei werden von GFS zum Beispiel bis zu 1.500 J/kg Cape simuliert, zudem
herrscht eine mäßig ausgeprägte Windscherung vor, sowie könnte auch hinzukommen,
daß ein deutlicher Temperaturgradient zwischen pre-und postfrontalen Bereich
vorherrschen könnte, dies ist aber letzendlich tagesgangabhängig.
Eine erste, schwächere konvektive Störung könnte sich unter Umständen schon vorübergehend
in den Morgenstunden in unserer Region bemerkbar machen, ist aber erstens
fraglich, und zweitens auch nicht der Ausgangspunkt bzw. der Grund für diesen Outlook.
Die Tatsache, daß Windscherung in "mittlerer" Qualität vorhanden ist, sowie gut
ausgeprägte Taupunktwerte bis zu 19°C und Capewerten, die bis zu 1.500 J/kg
hinaufreichen, kann man davon ausgehen, daß es im Tagesverlauf, die sehr wahrscheinlich
vorher noch auftretende Einstrahlung ebenfalls noch hunzugezogen, recht kräftige
Konvektion geben wird.
Hierbei stellt sich die Frage, welche Parameter in den Vordergrund rücken,
betrachtet man das Feuchteangebot, so ist ein deutlicher Hinweis gegeben, daß
Starkregen, wie oft bei sommerlichen Gewitterlagen, erneut in den Vordergrund
zu heben ist, zumindest wird dieses Ereignis die wahrscheinlichste Komponente sein,
die in der Lage ist, Unwetterpotential zu entwickeln, aber diesmal sollte man sich
auch auf starken Windgang gefasst machen, vor allem in den späten Nachmittags-
und frühen Abendstunden ist dieses Szenario am wahrscheinlichsten, wenn
wie weiter oben schon erwähnt, der T°C-Gradient zwischen der pre-und
postfrontalen Zone am größten ist.
Hagel wird lokal auch am morgigen Sonntag auftreten, dies jedoch weitaus lokaler, als
die vorausgegangenen Parameter Wind und Starkregen, aber dort, wo Hagelereignisse
auftreten, können sie rasch Schmackes bekommen.
Die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von besonderen Schwergewittern
(Superzellen) ist eher weniger wahrscheinlich, die Ausbildung einer linienhaft
angereihten, organisierten Konvektion dagegen deutlich erhöht, vor allem
kommt die Gegend der prefrontalen Konvergenzzone dafür in Betracht, wo sich
das Vorhersagegebiet im Tagesverlauf befindet.
Auftreten - Gewitterarten - Fazit:
Ab dem Nachmittag können sich quasi überall zunächst einzelne Schauer entwickeln,
die eigentliche Gewitterauslöse beginnt aber erst am dem späteren Nachmittag und
wird eine Zone entwickeln, die einer Linie sehr ähnlich kommen wird.
Im Laufe der Abendstunden wird zudem eine Verclusterung stattfinden, die
im Übrigen noch dazu führen kann, daß sich später noch ein separates Starkregenereignis
hinzugesellen kann, dies ist aber nicht Gegenstand dieses Outlooks, dennoch
erwähnenswert, ich persönlich rechne mit einer Gewitterfront, die durchaus überlokal
das Potential zu einer Level-1-Situation besitzt, für Teile Brandenburgs, Sachsen-Anhalts, Thüringen und Sachsen sind lokal auch starke Auswüchse denkbar, was
einer Level-2-Lage entspräche, dies aber auf eher lokaler Ebene.
Gebiete im nordwestlichen Mecklenburg werden eher ausgenommen von möglichen
Schwergewittern, hier wird sich erstens die Einstrahlung durch teils stratiformes
Gewölk zurückhalten, zweitens ist man hier der vordringenden Kaltfront ohnehin zu nahe,
um Starkgewitter noch zu ermöglichen, ansonsten ist die Herausgabe von "Level 2" kein
unbegintes Muss, aber aufgrund des Potentials besonders hinblicklich der Dynamik
sinnvoll, was hier mit auch geschieht.
Im Raum Sachsen-Anhalt und Thüringen sind nachmittags zuerst Gewitter aktiv,
hier noch als separate Einzelzellen, die aber sehr intensiv ausfallen können.
Weiter östlich nimmt das konvektive Geschehen dann mehr und mehr fronthaftes
Aussehen an, wobei Starkregen und Sturm wahrscheinlich werden, desöfteren
sind Unwetter möglich, lokal sogar wahrscheinlich.
Eine zusätzliche Anmerkung sei noch, daß Gewitterlagen im September oft
unterschätzt werden, daher ist die Gefahr dadurch erhöht, entspr. Schäden
davonzutragen, Vergangenheitsbeispiele zeigten Schwergewitter sogar noch im Oktober.